Never Dive Alone – oder vielleicht doch?

Jeder Taucher, ob mit Gerät oder ohne, kennt diesen Apell. Doch was genau steckt hinter dieser Aussage? Zwar ist es bei Gerätetauchern (Scuba – Diver) möglich, den so genannten Solo – Tauchschein zu erlangen, doch wird in dieser Sparte des Tauchens dieses Thema trotzdem kontrovers diskutiert. Allerdings sind im Unterschied zum Apnoetauchen die Gründe, die dafür und die dagegen sprechen durch die Technik des Drucklufttauchgerätes (DTG), also Pressluftflasche, Tarierweste, Atemregler, komplexer, weswegen darauf hier nicht näher eingegangen werden soll.

Vom Schnorcheln zum Apnoetauchen

Passionierte Schnorchler, die mehr oder weniger regelmäßig im Meer oder in klaren Seen unterwegs sind, entwickeln im Laufe der Zeit ein Tauchverhalten, das nicht mehr klar erkennen lässt, ob es noch Schnorcheln, oder schon Apnoetauchen ist. Schnell steht die Frage im Raum, wo hier die Grenze ist. Für die meisten ist Schnorcheln das Schwimmen an der Oberfläche mit Flossen, Maske und eben dem Schnorchel. Das gelegentliche Abtauchen auf vielleicht zwei bis vier Metern für vielleicht zehn bis 15 Sekunden könnte man noch zur Charakteristik des Schnorchelns zählen. Dieser Vorgang passiert eben, wenn doch Korallengärten so interessant sind. Doch wovon sprechen wir, wenn beim Schnorcheln das Gefühl für Zeit und Tiefe durch den fast unbemerkten Trainingseffekt verloren gehen?

Bis 10 Meter Tiefe passiert doch nichts?

In der Welt der professionellen Apnoetaucher, und zu diesen gehören Wettkampfathleten, Apnoetauchlehrer und Speerfischer, kursiert dieser Satz schon recht lange. Physiologisch, und damit sind die einfachen Prozesse der Lungenkompression und des Druckausgleiches gemeint, stimmt das durchaus. Auch die dem Tauchreflex zugeordneten Veränderungen sind in einem Bereich, die bei normaler Gesundheit keine Gefahr darstellen. Doch sind diese Erkenntnisse ein Freifahrtschein zum Solotauchen? Nein. Denn es gilt immer: Never Dive Alone.

Szenarien des Freitauchens in Disziplinen

Statisches Training: Das Luftanhalten in einem Becken setzt voraus, dass jemand die Zeit nimmt, den Taucher an Ort und Stelle hält, vor störenden Einflüssen schützt, und den Tauchgang vor allem in der Schlussphase aufmerksam begleitet und sichert. Wer auf das alles verzichtet, dem fehlt per se eine professionelle Einstellung und handelt fahrlässig. Streckentauchen: Beim Streckentauchen wird der meiste Sauerstoff verbraucht. Wurde noch versehentlich hyperventiliert, kann ein Blackout ohne Vorwarnung eintreten. Wenn da niemand zur Stelle ist, ist die Gefahr zu ertrinken extrem hoch. Tieftauchen: Auch, wenn sich durch den Tauchreflex der Weg in die Tiefe lange Zeit gut anfühlt, sollten wir nie den Rückweg vergessen. Die radikale Veränderung der Partialdrücke des Sauerstoffs können uns ohne Vorwarnung in eine Hypoxie schicken. Unverhoffte Ereignisse, wie das Hängenbleiben des Karabiners an der Grundplatte, nicht gelingender oder erzwungener Druckausgleich, zu hohe Erwartungen und vieles mehr das plötzlich den Sauerstoffverbrauch erhöht, kann uns in eine brenzlige Situation führen, von den Gefahren über Wasser abgesehen. Dass Motorboote eine vermeintlich verwaiste Boje umrunden, ist keine Seltenheit. Das Driften in Fischereizone und dem damit verbundenen Verheddern in Netzen ist auch des Öfteren passiert. Kurz, wie in vielen anderen Bereichen gibt es unvorhersehbare Umstände, in denen wir froh sind einen Partner zu haben, der helfen kann.

Fazit

Generell, und auch bei „nur“ zehn Metern Tiefe, gibt es immer eine Unbekannte: Welche Priorität hat unser Organismus zum Zeitpunkt des Tauchens? Wenn sich in unserem Organismus irgendetwas anbahnt, was einer Heilung bedarf, ist es dem Körper herzlich egal, ob du jetzt tauchen willst. In den letzten 20 Jahren haben wir durch verschiedene Gründe einige Kollegen verloren. Zuletzt 2018. Der am meisten genannte Grund war das Solotauchen. Während ein solotauchender Gerätetaucher immer noch die Chance zur Selbstrettung hat, da dieser atmen kann (je nach Vorfall natürlich), ist bei einem Unfall eines Apnoetauchers, der alleine ist, ein tragischer Ausgang fast schon vorprogrammiert.

Zu guter Letzt:

Wir Freediver sind Vorbilder.

NEVER DIVE ALONE

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