Die Boje für das Apnoetauchen

Jeder seriöse Freediver benutzt sie: Die runde Oberflächenboje. Ein Auftriebsmittel, welches in jedes professionelle Training genau so gehört, wie in jede Apnoe Tauchausbildung.

Die Oberflächenboje

Die Oberflächenboje ist eigentlich ein Bojen,- oder Tauchsystem. Das System besteht aus einem umhüllten, luftgefüllten Rundschlauch, einem Seil und einem Grundgewicht. Die Boje hat im aufgeblasenen Zustand einen enormen Aufrieb. Sie ist nach dem Tauchpartner das Hilfsmittel schlechthin, wenn es um die Sicherheit im Apnoetauchen geht.

Die Boje für die Vorbereitung und Erholung

Der Freediver hält sich an ihr fest, um sich auf einen Tauchgang vorzubereiten, und er hält sich an ihr nach jedem Tauchgang fest, um sich zu erholen. Die Boje ist Start und Ziel, und im Meer immer sichtbar, sogar noch aus über 70m Tiefe. An ihr befinden sich auch die Tauchpartner und Safety Freediver, wenn ein Athlet oder Tauchschüler in die Tiefe unterwegs ist.

Die Boje als Orientierung

Die Boje dient der Orientierung. An ihr ist ein Führungsseil befestigt, an welcher entlang die Apnoetaucher in die Tiefe und wieder nach oben tauchen. Am unteren Ende des Führungsseiles hängt eine schwere Grundplatte, die das Seil spannt. Die Boje hat einen so starken Auftrieb, dass die Spannung des Führungsseiles gewährleistet ist, ohne dass die Boje sinkt. Bleibt der Taucher am Seil, kommt er immer direkt zur Boje zurück.

Die Boje als Stauraum

Man kann in der Boje ersatzweise Ausrüstungsgegenstände wie Bleistücke, Ersatzmaske, Schnorchel, aber auch Verpflegung wie Wasserflaschen problemlos unterbringen. Auch das Führungsseil mitsamt dem Grundgewicht wird darin zum Tauchspot und wieder zurück transportiert.

Die Boje als Signal

Zudem hat die Boje eine Signalwirkung. Mit den entsprechenden Signalfarben rot – weiß, orange oder gelb versehen, ist sie gut sichtbar. In bestimmten Gewässern muss jedoch zusätzlich zu der Boje die rot-weiße Flagge, sichtbar sein, die darauf hinweisen, dass hier Taucher unterwegs sind. Bei Freedive Bodensee erwarten die Behörden, allen voran die Wasserschutzpolizei, zusätzlich zur Rundboje die internationale und für Gerätetaucher gültige Alpha- Flagge, obwohl dies gesetzlich nicht verankert ist.

Aufbau der Boje

Das Herzstück ist, wie eben schon erwähnt, der luftgefüllte Schlauch mit einem Volumen von ca. 60 – 70 Liter oder mehr. Schläuche gibt es, angefangen als bessere Schwimmringe, wie der Maxitube von Apneautic, bis hin zum Autoreifenschlauch. Die Innenblase oder der Schlauch sind ausgestattet mit einem Op-Ventil oder Autoventil für die Befüllung mit dem Mund oder mittels Inflatorschlauch, bzw. mit der KFZ – Luftpumpe. Umhüllt wird der Schlauch meist mit einer 600er, 840D oder 1680er Nylon-Hülle. Aber auch PVC – beschichtetes Polyester-Gewebe ist nicht unüblich. Manche Hüllen haben einen großen Reißverschluss an der Außentasche für ein einfaches Aufblasen des Schlauches, und zum Verstauen von Zubehör im Inneren der Boje. Meist jedoch sind an der Oberseite entweder ein großer Reißverschluss, oder ein Doppelreißverschluss zum Öffnen und Verschließen des Bojen – Innenraumes angebracht. Die Bojenhülle verfügt darüber hinaus seitlich über vier praktische Haltegriffe. Verstärkt wird die Hülle durch stabile Thermoplastbänder, die auch seitlich als Festhalteschlaufen ausgeformt sein können. An der Unterseite der Hülle befinden sich Öffnungen als Schnellablass für das Wasser nach den Tauchgängen. In der Mitte der Unterseite dient ein D-Ring zur Befestigung der Führungsleine. Diesen D-Ring gibt es je nach Hersteller in Edelstahl oder Kunststoff. Einige spezielle Freediver- Bojen wie die Spetton Freediver Boje, haben als Unterseite ein Netz aus strapazierfähigem Cordura. Wenn man die Boje aus dem Wasser hebt, ist das Wasser augenblicklich draußen. Der Innenraum hat je nach Modell und Hersteller einen Durchmesser von ca. 60 bis 70, selten sogar 80cm. Die Höhe der meisten Bojen beträgt im Schnitt 23cm.

Varianten von Bojen

Auf der Suche nach Bojen trifft man häufig auf sogenannte Torpedo- oder Rollbojen. Diese orangefarbenen, länglichen Bojen haben eine maximale Länge von 85cm und eine Höhe von 23cm, was einem Volumen von 25 Liter entspricht. Sie dienen in erster Linie der Standortmarkierung der Spearfisher und sind für ein sicheres Tieftauchtraining nur bedingt geeignet. Diese Bojen mitsamt ihrer 30m langen Verbindungsleine von ca. 5mm Stärke sind im Mittelmeerraum Pflicht für alle Luftanhalter, was bedeutet, dass diese zusätzlich zu der Rundboje mitgeführt werden müssen.. Die gelegentlich anzutreffende große Rollboje ist sehr gut für lange Seile geeignet. Sie besteht aus leuchtgelben, oder blauen doppelwandigem und reißfestem PVC. An den Enden sind jeweils eingeprägte Ösen für Karabiner vorhanden. Mit 125cm Länge und einem Durchmesser von ca. 31cm, liegt das Volumen der Apnoeboje bei ca. 80 Litern. Das ist genügend Auftrieb, um sich aus der Tiefe am Führungsseil nach oben ziehen zu können.

Das Führungsseil

Wenn Freediver an einem Führungsseil in die Tiefe tauchen, sind sie meist vom Handgelenk aus durch eine Verbindungsleine, genannt Safety-Lanyard, mit dem Führungsseil verbunden. Für die Verbindung sorgt ein Karabiner, der am Führungsseil mitläuft und entlang des Seiles in die Tiefe fällt. Damit das im wahrsten Sinne der Bedeutung reibungslos klappt, muss das Führungsseil einigermaßen glatt sein.

Verarbeitung der Seile

Grundsätzlich unterscheiden wir bei Seilen „gedreht“ und „geflochten“.

Gedrehte Seile

Gedrehte Seile sind nicht selten, aber meistens für das Freediving zu grob in der Oberflächenstruktur. Das betrifft vor allem Hanf, oder Sisalseile. Der Vorteil an diesen Seilen ist, dass diese sogar mit Neoprenhandschuhen gut zu greifen sind. Doch wenn der Karabiner der Safety-Lanyard nicht ganz ruckelfrei fällt, ziehen wir diesen gerne mal hinter uns her, und das Abtauchen wird eine unruhige Sache.

Geflochtene Seile

Geflochtene, vor allem mehrfach geflochtene Seile aus Polyesterkern und Polyester -Mantel sind ziemlich glatt, zeichnen sich durch eine sehr geringe Dehnfähigkeit aus. Am besten sind gereckte Seile. Das heißt, sie sind vorgestreckt. Da die Seile gerne mit Tiefenmarkierungen versehen werden, sollte sich das Seil danach auch nicht weiter ausdehnen.

Schwimmende - nicht schwimmende Seile

Schwimmende Seile haben den Vorteil, dass sie im Süßwasser nicht gleich untergehen, falls mal etwas Unvorhersehbares passiert und diese dann verloren gehen. Im Salzwasser spielt die Schwimmfähigkeit des Seiles keine große Rolle, da der Auftrieb des Wassers größer ist, als im Süßwasser.

Seilfarbe

Das Seil sollte hell sein. Mindestens gelb, am besten weiß. Da Farben in größeren Tiefen durch den mangelnden Sonneneinfall nicht mehr sichtbar sind, geht es nur noch um die Unterscheidung von hell und dunkel. Rot und Orange sind bereits in 10m nicht mehr erkennbar. Gelb ist im Meer wenigstens noch bis 30m. Grün geht bis 40m und blau bis 150m. Doch ist grün die Farbe der Seen, und blau die Farbe der Meere. Da könnte man gar nichts unterscheiden.

Seilstärke

Wir empfehlen eine Mindeststärke von 12mm. 10mm ist für kaltwasserbedingte Neoprenhandschuhe nicht greifbar genug. Bitte keine Kletterseile verwenden, da diese zum Schutz der Bergsteiger eine Dehnungstoleranz von bis zu 15% aufweisen können.

Seilbefestigung an der Grundplatte

Da das Führungsseil am unteren Ende ein Grundgewicht hängen hat, sollte diese Verbindung sehr sorgfältig geschehen. Der Karabiner der Safety – Lanyard darf sich auf keinen Fall in einem Knoten verfangen. Deswegen befestigen die meisten Freediver einen Tennisball oder ähnliches ca. einen Meter über der Verbindungsstelle zwischen Seil und Grundgewicht.

Pflege und Lagerung

Nach jedem Einsatz sollte das Seil zum Trocknen aufgehängt werden. Bei Meereseinsätzen muss es sogar vorher gründlich gespült werden, damit sich das Salz nicht in das Gewebe frist. Seile werden seemännisch zu einem Bunsch aufgeschossen und aufgehängt, damit sie jederzeit einsatzbereit sind.

Grundgewicht

Da das Führungsseil eine grifftaugliche Spannung haben muss, an dem entlang sich Freediver auch mit den Händen in die Tiefe ziehen können, ohne dabei das Grundgewicht nach oben zu ziehen, muss am unteren Seilende ein Gewicht von mindestens 8 – 12 KG, im Meer und bei Wettkämpfen sogar mindestens 20 KG hängen. Wie dieses Gewicht zustande kommt, ist eine Frage der Kreativität und der Sicherheit. Die Modelle eines Grundgewichtes reichen vom einfachen Bleigurt mit der entsprechenden Anzahl von Bleistücken, über eine sichtbare, gelochte Edelstahlplatte, bis hin zu ganzen Gestellen, an denen Unterwasserlampen montiert werden können. Immer mehr findet man auch weiße mit mehreren Löchern versehene Kunststoffplatten, unter denen dann vergurtete Bleigewichte hängen. Teilweise sind Bojensysteme schon komplett im einschlägigen Tauchhandel erhältlich, meistens aber bauen sich Freediver ihr Grundgewichtssystem selbst.

Sicherheit und Hinweise

Wenn Freediver von Bojen sprechen, dann meinen die meistens das ganze System: Den umhüllten Schlauch mit Transportkapazitäten, die Befestigungsmöglichleiten mitsamt den Haltegriffen, das Führungsseil und das Grundgewicht. Wenn in der Tiefe am Grundgewicht Licht sein soll, dann bedarf es etwas Fantasie und Kreativität. Alles ist möglich. Achte bei Verbindungsstücken darauf, dass diese entweder aus stabilem Kunststoff, oder aus Salzwasserbeständigem Edelstahl sind. Das Spiel mit Karabinern und Seilen macht Freude, wenn du dich damit auskennst. Seil- und Knotenkunde sind sehr empfehlenswert auf dem Weg zu einem erfahrenen Freediver. Wo immer du mit solchen Systemen tauchen willst, achte darauf, dass die örtlichen Bestimmungen solche Aktionen auch zulassen. Überall wo geschwommen und getaucht werden kann, oder wo das nicht explizit verboten ist, können Freediver auch trainieren. Wenn du das Grundgewicht ins Wasser schmeißt, vergewissere dich, dass du genügend Tiefe unter dir hast. Grundgewichte in Korallenbänken oder auf dem Kopf eines Gerätetauchers sind Ereignisse, die den Tauchspaß für immer verderben können.

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