Phänomen Blackout

Unter dem englischen Namen Blackout versteht man den Verlust des Bewusstseins. Nun stellt sich der geneigte Leser vielleicht die Frage, wie denn das möglich ist, das Bewusstsein zu verlieren? Hierzu gibt es einige Hinweise, die die Bedeutung eines der wichtigsten Elemente in unserem Sonnensystem betreffen: dem Sauerstoff!

Ohne Sauerstoff nichts los

Angesichts der Tatsache, dass in der Atemluft, nur 21% Sauerstoff enthalten ist, wovon der Mensch nach einer Einatmung ca. 17% wieder ausatmet, ist die Effizienz des Sauerstoffverbrauches im menschlichen Organismus extrem hoch. Doch so hoch die Effizienz ist, so empfindlich ist ihr System. Wird irgendwo im menschlichen Körper der Sauerstoff zu knapp, entstehen ziemlich schnell Symptome. Man spricht im Fachjargon vom ischämischen Schmerz. Die Sauerstoffversorgung läuft immer übers Blut. Wird die Blutversorgung unterbrochen, fehlt auch der Sauerstoff Ohne Sauerstoff ist kein Leben möglich. Wird dem menschlichen Organismus Sauerstoff entzogen, beginnt ein stetiges Sterben von Zellen.

Schaltstelle Hirn – der Sauerstoff - und Glucosefresser

Natürlich verfügt das Gehirn wegen seiner zahlreichen Steuerungen und Nervenzellen über ein eigenen Gehirnstoffwechsel. Das bedeutet, es braucht viel Energie um wiederum Energie zu erzeugen. Der Hauptanteil der benötigten Energie ist Sauerstoff und Glucose (Zucker).

Hypoxie – die potenzielle Gefahr beim Apnoetauchen

Unter Hypoxie verstehen wir einen Sauerstoffmangel, der im Hirn bei längerer Dauer zu Schädigungen oder im schlimmsten Fall zum Tod führen kann. Eine Sauerstoffunterversorgung entsteht entweder durch eine plötzliche Minderdurchblutung, oder durch einen zu geringen Teildruck des Sauerstoffes im arteriellen Blut. Dieser Teildruck wird als PPO2 (Partial Power O2 = Sauerstoff) dargestellt. Da Apnoetaucher bei ihren Tauchgängen über eine längere Zeit nicht atmen, wohl aber der vorhandene Sauerstoff verbraucht wird, sinkt die Menge an Sauerstoff im Blut stetig. Durch das Nichtatmen kommt eben auch nichts nach. Wie weit die Sauerstoffsättigung im Blut sinken kann, ohne in eine Bewusstlosigkeit zu geraten, hängt von mindestens drei Faktoren ab:

  • Allgemeiner Gesundheitszustand
  • Toleranz gegenüber geringen Sauerstoffgehalt
  • Trainingszustand des Apnoetauchers.

Flachwasserbewusstlosigkeit - Blackout

Der Flachwasser– oder Aufstiegsblackout, ist eine Hypoxie, die kurz vor dem Erreichen der Wasseroberfläche nach Tieftauchgängen entstehen kann. Die entscheidenden Parameter sind neben dem Sauerstoffverbrauch die Druckverhältnisse der entsprechenden Tiefenbereiche. Erhöht sich der Umgebungsdruck bei zunehmender Tiefe, antwortet der Teildruck der im Blut gelösten Gase (in unserem Fall Sauerstoff) proportional. Beim Abtauchen komprimiert die Lunge, was zu einem erhöhten Partialdruck der Atemgase führt, und somit zu einem verstärkten Übertritt von z.B. Sauerstoff ins Blut. Dem Körper wird auf diese Weise eine „Superversorgung“ von Sauerstoff vorgespielt. Das dumme daran ist nur, dass Sauerstoff trotzdem verbraucht wird. Taucht ein Apnoetaucher so lange in die Tiefe, bis der Atemreiz ihn zwingt aufzutauchen, beginnt mit dem Aufstieg in geringere Umgebungsdrücke ein enormer Abfall des Partialdrucks Sauerstoff (PPO2) im Blut. Auf den letzten 10 – bis 6 Metern vor der Oberfläche ist der Druckabfall dramatisch und es kann, bei entsprechend hohem Sauerstoffverbrauch während des Tauchganges, zu einem zu niedrigen Partialdruck führen und somit zu einer Bewusstlosigkeit. Anhand dieses Beispiels wird aufgezeigt, dass Tauchgänge sorgfältig vorbereitet und geplant werden müssen, um einen zu hohen Sauerstoffverbrauch zu vermeiden.

Schwimmbad – Blackout

Am Ende unterscheiden sich die Blackouts durch unterschiedliche Lokalitäten nicht. Mit den unterschiedlichen Begriffen werden lediglich die unterschiedlichen Mechanismen zugrunde gelegt. Beim Streckentauchen wird durch den konstanten Einsatz von Muskelkraft zur kontinuierlichen Fortbewegung unter Wasser mehr Sauerstoff verbraucht, als beim Tieftauchen, oder beim statischen Tauchen. Normalerweise zwingt der durch den verbrauchten Sauerstoff entstandene Kohlendioxid (CO2) den Apnoetaucher irgendwann zum Auftauchen. Zumindest spürt der Freediver den CO2 bedingten Atemreiz. Sollte jedoch in der Atemvorbereitung hyperventiliert worden sein, wurde durch diesen Vorgang zu viel CO2 abgeatmet, und der Atemreiz stellt sich erst viel später ein. Dieser Umstand ändert allerdings nichts am Sauerstoffverbrauch, der ohne spürbaren Atemreiz zwangsläufig in die Hypoxie führt, und somit eine Ohnmacht auslöst.

Ertrinkunsgefahr beim Blackout

Trotz des Blackouts bleibt der Metabolismus, also der Stoffwechsel aufrecht, was einen Verbrauch des verbliebenen Restsauerstoffs bedeutet, und somit eben auch weiter CO2 produziert. Ist der CO2 Pegel wieder so hoch, dass dieser den Einatemreflex im Atemzentrum anregt, beginnt auch wieder die Atemaktivität. Wenn dann der Freediver noch nicht aus dem Wasser geborgen wurde, zieht die Lunge unweigerlich Wasser, was bei weiterhin fehlenden Rettungsmaßnahmen zum Tode führt. Es ist also ratsam, sich in den Kursen über das Thema Hyperventilation zu informieren, um diese Risiken auszuschalten.

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